
Social-Media-Angebote vergleichen: Was steckt im Paketpreis?
„8 Posts für 1.500 €“ sagt nichts aus. So prüft ihr Social-Media-Angebote wie ein Zulieferer-Angebot – mit Checkliste und den richtigen Fragen vor der Unterschrift.
Kurz vorweg: Eine Postanzahl ist keine Leistungsbeschreibung. Ob „8 Posts im Monat“ ein gutes oder ein teures Angebot ist, entscheidet sich an ganz anderen Positionen – Foto- und Videoproduktion, Kanäle, Community-Management, Reporting und vor allem: was ihr selbst liefern müsst.
Wir gehen hier durch, wie ihr ein Social-Media-Angebot Position für Position aufschlüsselt – so, wie ihr auch ein Angebot vom Zulieferer prüfen würdet. 🔧
Warum sagt die Anzahl der Posts nichts über den Preis aus?
Weil ein Post alles sein kann: ein zugeschnittenes Handyfoto mit zwei Zeilen Text oder ein produziertes Reel mit Drehtag, Schnitt und Untertiteln. Zwischen beiden liegt der Faktor zehn im Aufwand – im Angebot steht aber in beiden Fällen nur „Post“.
Genau hier entsteht das Transparenzproblem, das aktuelle Marktanalysen immer wieder aufgreifen: Betriebe kaufen „Social-Media-Marketing“ und merken erst nach drei Monaten, dass Strategie, Bildmaterial und Anzeigen gar nicht enthalten waren. Deshalb gilt: Eine Zahl ohne Beschreibung ist keine Position, sondern eine Überschrift.
Frag stattdessen konkret nach:
- Wie viele davon sind Bild-Posts, wie viele Video oder Reel?
- Wer schreibt die Texte – und wie viele Korrekturschleifen sind drin?
- Werden Inhalte pro Kanal angepasst oder überall identisch ausgespielt?
- Was passiert mit Formaten wie Stories, die ständig neu befüllt werden müssen?
Welche Leistungen sind im Paketpreis meist nicht enthalten?
Die typischen Nachforderungen entstehen bei fünf Positionen: Foto- und Videoproduktion, Strategie, Community-Management, Werbebudget und Reporting. Die stehen in vielen Angeboten entweder gar nicht drin oder als „optional“ unter dem Strich.
Die fünf klassischen Extrapositionen
- Bild- und Videoproduktion: Ein Drehtag auf der Baustelle wird fast immer separat berechnet. Ohne eigenes Material wird es also entweder teuer oder dünn.
- Strategie und Redaktionsplan: Oft einmalig als Setup-Gebühr am Anfang, nicht im Monatspreis.
- Community-Management: Kommentare, Nachrichten, Bewertungsantworten – das ist tägliche Arbeit und in Basis-Paketen selten enthalten.
- Werbebudget: Läuft immer zusätzlich. Das Management der Kampagnen ist noch mal eine eigene Position.
- Reporting: Monatliche Auswertung, Kennzahlen, Optimierung – in aktuellen Paketstrukturen zunehmend eine eigenständige, bepreiste Leistung.
Unser Tipp: Nimm das Angebot und mach eine zweite Spalte daneben mit der Überschrift „kommt noch dazu“. Was da landet, ist die ehrliche Rechnung.
Wie ordne ich Preise am Markt realistisch ein?
Als grobe Orientierung für den deutschsprachigen Raum: Basis-Betreuung liegt aktuell etwa bei 500 bis 1.500 € im Monat, solide Betreuung mit Community bei rund 800 bis 2.500 €, Vollbetreuung mit Video, Kampagnen und Reporting bei 2.500 bis 5.000 € plus Werbebudget.
In der Schweiz zeigen aktuelle Übersichten für KMU Spannen von 800 bis 8.000 CHF monatlich, wobei komplette Content-Erstellung meist zwischen 2.500 und 4.500 CHF liegt. Nach oben ist die Spreizung 2026 noch deutlicher geworden – Mittelstandspakete bewegen sich teilweise im fünfstelligen Bereich. Die sind aber für Betriebe mit 10 bis 30 Mitarbeitenden schlicht nicht die passende Liga.
Wichtig für die Einordnung: Viele Betriebe rechnen intern noch mit 300 bis 500 € „Marketingtopf“. Diese Erwartung passt nicht mehr zum Markt. Wer das weiß, verhandelt entspannter – und erkennt schneller, welches Angebot realistisch ist und welches nur billig aussieht. Wenn du die reine Zeitseite dahinter interessiert, haben wir das im Beitrag zum Zeitaufwand verschiedener Social-Media-Tools aufgeschlüsselt.
Was muss unser Betrieb selbst liefern – und was kostet uns das?
Die am häufigsten übersehene Position heißt Mitwirkung. Fast jedes Paket setzt voraus, dass ihr regelmäßig Fotos, Projektinfos und Freigaben liefert. Ohne diesen Input läuft auch eine teure Betreuung leer.
Konkret bedeutet das im Betriebsalltag:
- Jemand muss auf der Baustelle daran denken, Fotos zu machen – und zwar bevor aufgeräumt ist.
- Jemand muss erklären, was da eigentlich verbaut wurde, damit der Text stimmt.
- Jemand muss Entwürfe freigeben, bevor sie online gehen.
- Und jemand muss reagieren, wenn eine Anfrage über den Kanal reinkommt.
Das sind schnell ein bis zwei Stunden pro Woche – im Zweifel beim Meister oder in der Bauleitung, also genau dort, wo die Zeit am teuersten ist. Rechne diese Stunden mit deinem internen Stundensatz gegen und schreib sie in die Angebotsübersicht. Erst dann vergleichst du sauber.
Welche Fragen sollten wir vor der Unterschrift stellen?
Sieben Fragen reichen, um ein Angebot vergleichbar zu machen. Stell sie schriftlich und lass dir die Antworten schriftlich geben – genauso, wie du es bei einem Zulieferer machen würdest.
- Wer produziert Bilder und Videos? Kommt jemand raus, oder liefern wir? Wie oft, und was kostet ein zusätzlicher Termin?
- Welche Kanäle sind wirklich enthalten? Und wird der Inhalt pro Kanal angepasst oder nur kopiert?
- Wie lange läuft der Vertrag? Mindestlaufzeit, Kündigungsfrist, Setup-Gebühr – alles auf einen Blick.
- Wem gehören Accounts, Inhalte und Zugänge? Nach Vertragsende muss alles bei euch liegen. Das ist Betriebsvermögen.
- Was passiert, wenn wir drei Wochen keine Zeit für Input haben? Steht dann alles still – oder gibt es einen Plan B?
- Wie sieht das Reporting aus? Lieber drei verständliche Kennzahlen als zwanzig Diagramme, die keiner liest.
- Wer ist unser Ansprechpartner? Feste Person oder wechselnder Support – das entscheidet über den Alltag.
Wenn du bei mehreren Anbietern dieselben sieben Fragen stellst, hast du am Ende eine echte Vergleichstabelle statt sieben Hochglanz-PDFs.
Lohnt sich eine eigene Marketingkraft im Betrieb?
Für Betriebe mit 10 bis 30 Mitarbeitenden meistens nicht als Vollzeitstelle. Eine Marketingkraft liegt inklusive Nebenkosten schnell bei 3.000 bis 4.000 € im Monat – ohne Werbebudget und ohne Garantie, dass die Person alle nötigen Disziplinen abdeckt.
Denn Social Media heute heißt: schreiben, fotografieren, schneiden, planen, Kanäle bedienen, Kommentare beantworten, Zahlen lesen. Das ist selten eine Person. Eine Teilzeitkraft oder eine engagierte Bürokraft mit Zusatzaufgabe funktioniert – aber nur, wenn die Struktur dahinter steht. Sonst hängt die ganze Sichtbarkeit an einer Person und bricht weg, sobald die im Urlaub ist.
Realistischer ist meistens die Mischform: Der Input kommt aus dem Betrieb, die Produktion läuft außerhalb. Genau da liegt heute die dritte Option.
Wann ist ein KI-Workflow die bessere Wahl als ein Agenturpaket?
Immer dann, wenn euer Engpass nicht das Geld ist, sondern die Mitwirkung. Wenn ihr wisst, dass ihr keine Drehtage koordinieren, keine Redaktionssitzungen führen und keine Freigabeschleifen pflegen wollt – dann ist ein Workflow, der aus vorhandenem Material Content macht, der passendere Weg.
Das Prinzip ist einfach: Der Meister macht drei Fotos von der fertigen Anlage und spricht eine Sprachnachricht dazu. Daraus entstehen fertige Beiträge für mehrere Kanäle, abgestimmt aufs Format, mit Text und Bild. Ihr gebt frei, der Rest läuft. Rund 10 Minuten pro Woche – das ist die Größenordnung, die im Betriebsalltag realistisch bleibt. Wie das konkret aussieht, zeigen wir bei Publivo.
Ein Agenturpaket bleibt trotzdem die richtige Wahl, wenn ihr aufwendige Kampagnen fahrt, große Werbebudgets steuert oder eine echte Markenentwicklung braucht. Es geht nicht um entweder-oder, sondern darum, das richtige Werkzeug für die eigene Betriebsgröße zu wählen. Wer verstehen will, wie Sichtbarkeit auch ohne Werbebudget entsteht, findet dazu bei uns den Beitrag über KI als neue Sichtbarkeitsquelle.
Wie erstellen wir eine saubere Vergleichstabelle?
Nimm ein Blatt Papier und leg vier Spalten an: Leistung, Anbieter A, Anbieter B, eigener Aufwand. Dann trägst du Zeile für Zeile ein, was tatsächlich enthalten ist – nicht, was im Marketingtext steht.
Diese Zeilen gehören rein:
- Anzahl und Art der Beiträge (Bild / Video / Story)
- Bild- und Videoproduktion: enthalten, Zusatzkosten oder Eigenleistung
- Kanäle und ob Inhalte angepasst werden
- Community-Management inklusive Reaktionszeit
- Werbebudget und Kampagnenmanagement
- Reporting: Umfang und Turnus
- Setup-Gebühr, Laufzeit, Kündigungsfrist
- Eigenaufwand in Stunden pro Monat × interner Stundensatz
Unter dem Strich steht dann nicht der Paketpreis, sondern die Gesamtsumme aus Geld plus Zeit. Und plötzlich sieht das günstigste Angebot oft gar nicht mehr so günstig aus – oder umgekehrt. 🚀
Wenn noch Fragen offen sind: Unten findest du die häufigsten Punkte, die uns Betriebsinhaber zu Social-Media-Angeboten stellen – kurz und direkt beantwortet.
Häufige Fragen
Das werden wir oft gefragt
Erst mal gar nichts. Entscheidend ist, ob es Bild- oder Video-Beiträge sind, wer das Material produziert und ob die Inhalte pro Kanal angepasst werden. Lass dir jede Position einzeln beschreiben.
Am häufigsten Foto- und Videoproduktion, Strategie-Setup, Community-Management, Werbebudget samt Kampagnenmanagement und ausführliches Reporting. Diese fünf Positionen solltest du immer aktiv abfragen.
Realistisch ein bis zwei Stunden pro Woche für Fotos, Projektinfos und Freigaben. Rechne diese Stunden mit deinem internen Stundensatz und schreib sie in den Angebotsvergleich.
Meist nicht als Vollzeitstelle – inklusive Nebenkosten liegt die bei 3.000 bis 4.000 € monatlich, ohne Werbebudget. Sinnvoller ist oft eine Mischform aus internem Input und externer Produktion.
Das gehört schriftlich geklärt, bevor du unterschreibst. Accounts, Zugänge und produzierte Inhalte sollten immer beim Betrieb liegen – sie sind Betriebsvermögen.
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